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marc nicolai

Excerpt aus Lapsus congenitus [fragment 1]

. . . Dr Effroi war ein sehr ernsthafter und ein vertrauenswürdiger Mensch. Er war vielbeschäftigt, seine Terminkalender voll, dennoch empfing er mich in kurzen Intervallen immer wieder gerne. Ich hatte das Gefühl, mein Fall rege ein besonders intensives Interesse in ihm. Und ich schien recht zu haben : An einen verkaufsoffenen November-Samstag rückte er mit seiner ersten Verdachtsdiagnose heraus. Er kippte zwei Gläser Pernod, lutschte an einer unglaublich dicken Zigarre, kniff die Augen zusammen und sah an mir vorbei. Ich habe viel über Sie nachgedacht, sagte er verheissungsvoll. Möchten Sie ein Valium* ? Ich nahm eines, nahm auch ein Glas Pernod, um die Spannung zu ertragen. Effroi lehnte sich zurück und grinste genüßlich. Sie haben eine schlimme Fixation. Das ist die Richtung. Da müssen wir ein bißchen weiter bohren. Seine Offenheit berührte mich. Ich fühlte, wie er sich behutsam der Wahrheit zu nähern suchte und sie doch um Meilen verfehlen würde. Ich nickte stumm. Vielleicht ist es eine orale, vielleicht ein bißchen mehr eine anale Fixation... . Nein, protestierte ich. Es ist eine Cassandra-Fixation. Verstehen Sie doch... . Mir versagte die Stimme. Der Dr riß die Augen auf, zupfte sich am Bart herum, beruhigte sich wieder und sagte dann sehr leise: Das ist es, was ich meine. Ihre Geschichten mit dieser Cassandra langweilen mich fürchterlich. Ihre sexuellen Erlebnisse sind jämmerlich. Wir müssen unbedingt ein anderes Thema finden. Nehmen Sie bitte noch von dem Diazepam oder einen Pernod. Wir schwiegen eine Weile. Cassandra hatte braune Augen, sehr braune Augen. Ich war zuerst kritisch. (Effroi gähnte.) Irgendwann ließ ich ihre Augen aus einem Foto herausvergrößern. Aber das war es nicht. . .

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